Fahrradtour Edinburgh - London  2011

 


 


Hallo liebe Radlerfreunde, da bin ich mal wieder. Inzwischen 56 Jahre alt, möchte ich zunächst auf meine früheren, großen Touren Brenner-Porec-Venedig-Innsbruck 2005,
Brenner-Stallersattel-Großglockner-Füssen-Göppingen 2007 sowie Brixen-Verona-Bernina-Innsbruck-Göppingen 2010 verweisen.
Die diesjährige Tour dauerte vom 13. August bis zum 27. August 2011. Die reine Fahrzeit betrug 13 Tage. Die Gesamtstrecke belief sich auf rund 980 km.


Im Gegensatz zu meinen früheren Touren stelle ich an den Beginn meines Berichts einige praktische Hinweise und teilweise sicher auch etwas subjektive Wertungen, nämlich zur Vorbereitung der Tour und zum englischen Radwegenetz siehe I.) und zum englischen Wetter und Essen siehe II.)
Ich bin seit meinen Schüleraustauschzeiten in den frühen Siebzigern immer wieder in Großbritannien gewesen und habe dort Freunde. Kritik ist also nur als anregender Hinweis, nie negativ gemeint.

I.) Vorbereitung und Radwege

Wer in England - ich bleibe bei dem Begriff, auch wenn stets Großbritannien gemeint ist, mit dem Fahrrad unterwegs ist, muss sich von deutschen, österreichischen oder schweizer Standards verabschieden. Es gibt zwar einzelne Cycleways, aber kein Radwegenetz. Die Radwege sind schwer zu finden, teilweise schlecht ausgeschildert und verschwinden hin und wieder einfach mitten in der Landschaft  oder auf einer Schafweide. Sie führen fast nie über eigene Trassen oder die hier als Radwege bekannten und genutzten asphaltierten oder betonierten Flurbereinigungswege. Es ist also eigene Planung gefragt, womit wir beim nächsten Problem wären, nämlich geeignetem Kartenmaterial. Dieses sollte unbedingt hier über den Buchhandel bestellt werden. Im Land selbst gibt es als Bezugsquellen nur größere Tankstellen oder den praktisch einzig verblieben Buchhändler, die Kette WHSmith. Leider sind dort meist nur entweder regionale Karten oder aber Karten von ganz England zu erhalten, aber keine überregionalen Karten in vernünftigem Maßstab, also mit allen kleinen Sträßchen und Dörfern.
Die "Geographers´A-Z Map Company Limited" hat 5 sehr gute überregionale Karten, nämlich Scotland North & South, Northern England (ISBN 978-1-84348-719-7), Central England & Wales, South East & Central England und South West England & South Wales. Bekommen hatte ich allerdings nur obige Karte mit der angegebenen ISBN-Nummer. Die restlichen Karten waren Notbehelfe. 
Mangels Karte sind wir, d.h. mein Freund Günther und ich, einmal auch fast einen Tag entlang einer viel befahrenen A-Road  (entspricht etwa unserer Bundestraße) gefahren, da wir ohne Karte nicht auf die ruhigeren aber uns nicht bekannten B-Roads ausweichen konnten. Die B-Roads sind somit de facto die Radwege der Wahl. Sie sind in der Regel etwas länger als der direkte Weg über die A-Roads, häufig auch etwas hügeliger dafür aber meist idyllisch und in der Regel nur wenig befahren. Lobenswert zu erwähnen ist aber, dass die englischen Autofahrer auch auf den A-Roads in der Regel rücksichtsvoll überholen.

2017 habe ich die Tour
mit Komoot, einem Navigationssystem für Wanderer und Fahrradfahrer, welches ich seit 2015 einsetze, nachgeplant und so kann man sich die Strecke Edinburgh - London durch Anklicken ansehen. Die gefahrenen Kilometer weichen von den Plankilometern ab, da kleine Zusatzstücke und Irrwege im Plan nicht enthalten sind. Zum "Nachradeln" ist die damals gefahrene Strecke nicht optimal, da wir damals, noch ohne GPS oder Komoot, viel auf verkehrsreichen Hauptstraßen gefahren sind.
Ich habe deshalb die Strecke 2017 nochmal neu mit Komoot geplant. Die Neuplanung
kann ebenfalls angeklickt werden und ist deutlich fahrradfreundlicher.

 

II.) Englisches Wetter, Essen und Unterkünfte

Das Wetter war etwas besser als sein Ruf, will sagen: Wir hatten in der ganzen Zeit etwa zweieinhalb Regentage, bei denen es dann eben hieß Regencape übergeworfen und durch! Die Satteltaschen sollten wasserdicht sein oder einen zusätzlichen Regenschutz haben! An zwei Tagen konnte man sogar mit kurzen Radlerhosen radeln und die Besichtigungen in Cambridge und London fanden sogar bei schönsten Sonnenschein statt.

Das Essen in den Pubs und Restaurants ist ebenfalls besser geworden. Die Briten haben das Essen zwar weiterhin nicht erfunden, aber es gibt genug Speisen, die man mit gut essen kann. Lammgerichte gibt es kaum noch, obwohl wir insbesondere in Schottland und Nordengland nur Schafe auf den Weiden gesehen haben. Das Preisniveau entspricht in Pfund unseren Preisen in Euro. Das englische Frühstück ist wie früher, d.h. Spiegel- oder Rühreier, Frühstücksspeck, gegrillte Tomaten und Champignons, gebackene Bohnen in Tomatensauce und Würstchen. Dazu Toast, Butter, Marmelade, Orangensaft und Tee oder Kaffee. Die Würstchen (Sausages), zu Schüleraustausch-zeiten "Sägemehlwürstchen" genannt, sind so übel wie vor 40 Jahren und ungenießbar. Baked Beans schon am Morgen sind einfach zu reichhaltig und zumindest nicht jedermanns Geschmack. Wir haben das Problem so gelöst, dass wir immer "breakfast without sausages and baked beans" geordert haben.

Unterkünfte, möglichst Bed & Breakfast haben wir immer vor Ort gesucht und meist auch gefunden. Dreimal mussten wir in Hotels ausweichen, da es nicht immer einfach war, zwei getrennte Zimmer zu finden. Letzteres war notwendig, da einer von uns, ich sage jetzt nicht wer, ein ganz übler, nächtlicher Sägewerksarbeiter ist.

Leider funktioniert das Vorausbuchen von B&B einige Kilometer vorher in einem Durchreiseort bzw. in der dortigen Touristenininformation für den Zielort nicht mehr.
Früher ging das telefonisch und klappte prima. Heute blicken die Mitarbeiterinnen der Touristeninformationen nicht mehr über die Stadtgrenzen hinaus oder gucken einfach ins Internet (so in York) und finden dann nichts Passendes. Kommt man dann am Zielort an, haben die Touristeninformationen entweder nur bis 17.00 Uhr offen, aber schon eine viertel Stunde vorher geschlossen (so in Bury St. Edmund´s) oder aber, man kommt um eine viertel Stunde vor Dienstschluss um 15.45 Uhr an und die Dame erklärt einem dann, das Sie leider gleich schließe und nicht mehr herumtelefonieren wolle (so in Bishop´s Stortford). Dafür ist der englische Normalbürger dann freundlicher und auskunfts- freudiger. Einfach in das nächstbeste Pub gehen und nach B&B fragen. Wir bekamen immer qualifizierte Auskünfte. Die B&B kosten als Einzelzimmer incl. Frühstück zwischen 35,00 und 65,00 GPB. Die Hotels verlangen, teilweise ohne Frühstück zwischen 49,00 und 79,00 GBP.

Die absolute Bestnote haben Vivien und Rocky in Berwick upon Tweed von uns bekommen. Sie betreiben das B&B "Clovelly House" in Berwick. Für etwa 37,00 GBP boten sie perfekt eingerichtete Zimmer mit einer Ausstattung wie im Hotel, d.h. inclusive Haarspray und weiterer Utensilien. Zum Frühstück gab es eine Menükarte, auf der neben dem üblichen traditional Breakfast fünf !!! weitere Menüs zur Auswahl standen! Das freundliche, ältere Ehepaar konnte nur mit Mühe überredet werden, als Dank eine deutliche Aufrundung des Übernachtungspreises zu akzeptieren.

Soweit die Vorbemerkungen. Die Engländer haben auch heute noch Ihre Eigenheiten und im englischen Fernsehen gibt es sogar einen Kanal namens "Yesterday", in dem Tag für Tag über deutsche Untaten vor und im zweiten Weltkrieg berichtet wird. Man muss das aber ebensowenig Ernst nehmen wie den einen oder anderen Spleen oder die immer noch getrennten Kalt- und Heißwasserhähne an den Waschbecken. Die Insulaner sind umgänglich und freundlich.

 

1. Tag: Flughafen Edinburgh – Watt University Edinburgh 10 km  

Nachdem wir am späten Nachmittag mit Ryanair vom Flughafen Memmingen kommend in Edinburgh angekommen waren, hieß es zunächst, die Räder aus den Fahrrad-kartons zu holen und wieder zusammenzubauen. Die Räder waren ordentlich transportiert worden und heil. Der Fahrradzuschlag auf den Flugpreis von rund 90,00 € betrug lediglich 40,00 €. Obwohl in Edinburgh gerade die Festivalwoche lief und daher bezüglich der Unterkunft das Schlimmste bzw. Teuerste zu befürchten war, hatten wir Glück. Eine freundliche Lady der Touristinformation am Flughafen vermittelte uns zwei Studentenappartements an der Heriot Watt University am Rande Edinburghs für 40,00 GBP
mit Frühstück. 
Die Busverbindungen nach Edinburgh City waren sehr gut. Fährt man mehr als zweimal am Tag, empfiehlt sich das Tagesticket für 3,20 GBP.
Nachdem wir geduscht hatten und wieder menschenwürdig aussahen und rochen, ging es ab in die Innenstadt. Nach einer guten Mahlzeit mit Fish  & Chips fanden wir anschließend in der Nähe des Hotels Balmoral - Seitenstraße links rein, ein Pub namens Guildford Arms, in dem drei alte Herren und eine Lady fantastischen Dixie und Traditional Jazz spielten. Das Pub selbst ist schon wegen der Innenarchitektur einen Besuch wert.

2. Tag: Besichtigung Edinburghs 0 km  

Am nächsten Tag wurde dann die obligatorische Stadtbesichtigung gemacht. Wegen des Festivals war in der Royal Mile überall Straßentheater.
 


Sehr zu empfehlen ist auch der Besuch des Stadtmuseums in der Cannon Street in der Royal Mile. Dort wird die komplette Entwicklung der Stadt von früher bis heute gezeigt.
Der Eintritt ist übrigens frei! 
Am unteren Ende der Royal Mile befindet sich der Holyrod Palace, wie
so vieles in England im Besitz der Windsors. 
In der Nähe steht auch der Neubau des Schottischen Parlaments, vermutlich bezogen auf seine Bedeutung ebenso überzogen wie manche unserer Landtagtagsgebäude. Hinzu kommt, dass  die Schotten im oberen Teil der Royal Mile ein stilvolles, historischer Parlamentsgebäude haben.

                                              


                          Straßentheater                                                                                                                                                                                  Royal Mile

Auf dem Weg zum oberen Ende der Royal Mile, also zur Burg, sahen wir dann auch noch das schöne Wirtshausschild.

 


Eine Besichtigung der Burg ersparten wir uns, da  insbesondere die Länge der Warteschlange doch sehr  abschreckend war. 
Stattdessen sind wir mit unserem Tagesticket noch ein wenig
durch die Stadt gefahren und sind nach dem Abendessen dann nochmal in dem urgemütlichen Pub mit den Jazzmusikern gelandet. 

 

 

 

 

                     
                     
                       Edinburgh Castle

                         
                                                                                                                                                                                                                                   
Pubschild

 

3. Tag: Edinburgh – Gallashiels 90 km  

Am nächsten Tag wurde es dann ernst. Nach einem wieder reichlichen, englischen Frühstück in der Mensa ging es bei trockenem Wetter zunächst Richtung Edinburgh. 

 




Dort überquerten wie die Autobahn und bogen dann in östlicher Richtung auf eine Art Ringstraße ein, bis uns e
ine Abzweigung Richtung Penicuik auf die A 702 lotste. Kurz danach auf die A 703  Richtung Penicuik und dann ging es leicht bergauf in die Hügellandschaft rund um Edinburgh. In Penicuik dann der A 703 Richtung Peebles folgen. Auf halber Strecke hat man dann auch schon den "Gipfel" erreicht und dann geht es idyllisch in einer sehr grünen und schafreichen Landschaft bergab nach Peebles im Tal des River Tweed. In Peebles wurde erst mal Mittag gemacht und ich verdrückte sehr kalorienreiche Fisch & Chips. Dann immer im Tal des River Tweed  entlang auf der  A 72, die an diesem Sonntag nicht sehr befahren war bis Innerleithen. Kurz vor Innerleithen hatte Günther dann seine erste Reifenpanne. Der in Innerleithen gekaufte, englische, neue Ersatzschlauch erwies sich als von zweifelhafter Qualität. Ab Innerleithen gab es tatsächlich einen Radweg, dem wir bis Caddonfoot folgte Dank der "guten" Ausschilderung verließen wir dann aus Versehen das Tal des River Tweed und fuhren über  den Berg nach Selkirk im Tal des Water Yarrow. Nun ja, der Weg ist ja beim Radfahren das Ziel! In Selkirk  fanden wir ein nettes Cafe und gönnten uns erst mal einen guten englischen Tee und Kuchen, bevor es  dann zurück zum River Tweed und bis nach Galashiels ging. Dort biegt man von der Radtrasse, die  gibt es dort kurz mal wieder, ab und folgt dem Fuß- und Radweghinweisen nach Galaschiels. Wir kamen dort in der Abendsonne an, fanden nach kurzem  Herumfragen zwei Zimmer in einem B & B für 35,00 GBP und sahen uns vor dem Abendessen noch ein wenig das Städtchen an.





                         Galashiels

4. Tag: Gallashiels - Berwick upon Tweed  77 km  

Am nächsten morgen hat Günther beim örtliche Postamt erst mal seinen völlig überflüssigen Rucksack mit völlig überflüssigem Übergepäck nach Hause geschickt. 
Er hatte in Deutschland ausnahmsweise mal auf seine bessere Hälfte gehört und viel zu viel eingepackt! Merke meine Damen: Beim Radfahren braucht man in drei Tagen maximal zwei Unterhosen! Eine Schmutz- und Schweißhose für die drei Tage tagsüber zum Radeln und eine saubere für die insgesamt ca. drei Stunden am Abend und zum Frühstücken am Morgen, mehr nicht! Im übrigen gibt es Rei in der Tube und es muss ja auf der Reise nicht so porentief rein sein wie weiland bei Clementine!


 
Nach dem Verlassen von Galashiels fuhren wir auf einem Nebensträßchen nach Melrose. 
Dort konnte ich es nicht lassen, mir die zwar nur noch in Ruinen vorhandene, aber dennoch prachtvolle Melrose Abbey anzusehen.
Es handelt sich um ein ehemalige Zisterzienser Abtei, die 1136 auf Bitten
des schottischen Königs David I. errichtet wurde. Die Zisterzienser, die als früher, reformatorischer Mönchsorden ihre Klöster bewusst in der völligen Einsam- keit errichtet hatten, hatten eine ausgefeilte Organisation. Für die harte Arbeit gab es im Kloster sogenannte Laien- brüder, die dafür freie Kost und Logis erhielten, somit also sicher versorgt waren. Die Mönche kümmerten sich formuliert ums Beten und Seelenheil allerlei Adliger, die dafür die Klöster mit großzügigen Stiftungen salopp bedachten. 
Der Oberschicht war so hin und wieder
offenbar durchaus bewusst, dass das Führen von Kriegen gegen 5. Gebot verstieß. Durch entsprechende Spenden an Klöster verbunden mit der Auflage, für die Spender zu beten hoffte man,
die Zeit im Fegefeuer deutlich zu verkürzen! 
Dadurch wurden auch die ursprünglich schlichten und
kargen Grundsätze des Zisterzienserordens nach und nach auch wieder verwässert, da der Orden seinerseits reich und mächtig wurde und nicht nur in England.

Dann ging es weiter durch die schöne Landschaft, allerdings relativ steil bergauf und weg vom Fluss. Begleitet wurde  
dieser Abschnitt von etwas Regen, der sich aber nach einer halben Stunde wieder legte.
                                                                                  
                                                                                                                                                                                                                                 Melrose Abbey

                                                                                                                                                                                                                                                 

Zuvor fuhren wir noch an diesem schönen, alten Eisenbahnviadukt über den River Tweed vorbei



Nach dem Anstieg genossen wir an einem Aussichtspunkt einen schönen Blick auf ehemalige Vulkane.

Dort oben trafen wir prompt eine private Reisgruppe aus Aalen, die sich mit schwäbischem Schinken versorgt hatte und uns mit viel Hallo an der Brotzeit teilhaben ließ. Günther hatte die Mitschwaben zuvor vor der Melrose Abbey getroffen, als ich das Kloster besichtigte.

 

 

 


Anschließend ging es weiter nach St. Boswells und auf der A 699 nach Kelso, einem netten, kleinen schottischen Städtchen, in dem wir eine kurze Mittagspause einlegten. 
Wir wechselten auf die andere Flusseite und fuhren auf der B 5350 über Wark nach Coldstream.

Gegen Abend erreichten wir dann Berwick upon Tweed, ein hübsches Städtchen an der schottisch-englischen Grenze. Es hatte in der Vergangenheit mehrfach den Besitzer gewechselt und war am Ende von den Engländern zur Grenzfestung gegen die aufmüpfigen Schotten ausgebaut worden. 

 



Die örtliche Touristeninformation hat uns dann zwei Zimmer bei Vivien & Rocky, einem überaus reizenden, älteren Ehepaar vermittelt. Das war kein normales B&B mehr, sondern ein 5-Sterne B&B. Siehe Einleitung. Ich habe Lachs auf zweierlei Art mit Rührei bestellt. Die verschiedenen, weiteren Beilagen konnte man gar nicht alle essen.  Also wer mal je nach Berwick kommen sollte, unbedingt nach Vivien & Rocky
im Clovelly House fragen! Wir haben auf der ganzen Tour nichts Besseres mehr bekommen.

Abends bummelten wir dann noch über die Stadtwälle und besuchten dann ein örtliches Pub.  

 

 

               
                   Festungsanlage Berwick

 

5. Tag: Berwick upon Tweed - Alnwick 76 km

An diesem Tag zeigte sich das Wetter erstmals von der englischen Seite. Nach wenigen Kilometern mussten wir die Regenumhänge herausholen und dann suchten wir den "Coast & Castle Cycleway" bzw. das, was die Engländer so als Radweg bezeichnen. Da wir den Radweg aufgrund der erneut "guten" Beschilderung nicht fanden, fuhren wir einige Kilometer entlang der A 1 Richtung Süden. Dann fanden wir den Radweg, nachdem wir aufs Geradewohl Richtung Nordseeküste abgebogen waren. Nach wenigen Kilometern endete der Radweg mitten in einer Schafweide, die wir durchquerten und daraufhin irgendwie auf die A 1 zurückkehrten. Der Tag hatte es in sich. Günther hatte dann seine zweite Reifenpanne, wechselte den Schlauch gegen das zuvor erworbene, englische Exemplar und brach beim Aufpumpen das Ventil ab. 

Also wieder den alten Schlauch genommen, geflickt und montiert. Weiter ging es die A 1 längs bis etwa auf der Höhe von Belford. Dort dann runter von der A 1 auf die B 1342 nach Bamburgh Castle an der Nordseeküste. Der Ort und das Schloss waren im Mittelalter mal die Hauptstadt von Norththumberland. 

 

 

Im Küstenstädtchen Seahouses gönnten wir uns in einem Pub eine Regenpause, bevor es weiter auf der B 1340 die Küste entlang ging. Es hörte dann zu regnen auf und eine weitere Pause wurde bei Sonnenschein in Beadnell an der Küste gemacht.

Entgegen unserer ursprünglichen Planung fuhren wir dann über die B 1340 von der Küste weg nach Alnwick, da Günther ohne einen vernünftigen Reserveschlauch nicht weiterfahren wollte. In Alnwick angekommen ging die Suche nach B&B wieder los. Dreimal war alles belegt. Beim vierten Versuch wollte der Landlord 90,00 GBP pro Person. Dies veranlasste mich zu der Bemerkung, dass wir nicht das ganze Haus, sondern nur zwei Zimmer buchen wollten.
Er sah das irgendwie ein und begleitete uns persönlich zu Julie, der Inhaberin eines Pubs mit Zimmern in der Innenstadt Alnwicks, die uns dann zweimal B&B für je 50,00 GBP anbot und wir sagten zu. Die Zimmer waren zwar etwas schlicht und vermutlich hat Julie sonst nur 45,00 GBP verlangt, aber so spät am Abend kann man nicht mehr so wählerisch sein. 




                          Bamburgh Castle

Der Abend endete dann in einer von  E n g l ä n d e r n  betriebenen Pizzeria. Am nächsten Morgen suchten wir dann den Fahrradhändler der Stadt auf, der sich als überaus kompetent und freundlich erwies und mir noch eine neue Speiche am Hinterrad einzog. Ich hatte mich am Abend zuvor schon gewundert, warum mein Fahrrad so seltsam klapperte. Günther bekam seinen neuen Ersatzschlauch, ein deutsches Fabrikat, und so beendeten wir unseren Aufenthalt in Alnwick noch mit einer Außenbesichtigung des dortigen Schlosses, welches teilweise für Außenaufnahmen der Harry Potter Filme verwendet worden war.

 

6. Tag: Alnwick - South Schields 75 km

Von Alnwick ging es - ohne Regen - über die A 1068 nach Warkworth mit einem wieder mal sehr schönen, alten Castle. Dann immer weiter auf der A 1068 über Newbiggin by the Sea weiter nach Blyth, dort runter von der A-Road die Küstenstraße suchen und finden und über Seaton Sluice entlang der Küste nach Whitley Bay, Tynemouth vorbei an einem dortigen, schönen alten Kloster, eigentlich mehr eine Festung an der Tynemündung runter zur Fähre.

 

 

 

                                                                                                                                       Warkworth Castle 

 In South Shields angekommen fuhren wir vom Fluss hoch ins Zentrum in die Fußgängerzone und am anderen Ende 
 der Fußgängerzone wieder raus. Dort reihten sich einige Häuser mit B&B aneinander und der zweite Versuch führte  
 zum Erfolg. 

 Praktischer Weise befanden sich in derselben Straße viele Lokale, vorwiegend indische Restaurants und so haben 
 wir in einem dieser Lokale einen Versuch gemacht. Es schmeckte nicht übel, aber wenn schon asiatisch, so sind mir 
 persönlich unsere Chinesen lieber

                  River Tyne am Abend 

 

7. Tag: South Schields - Great Broughton 86 km

Weiter ging es am nächsten Morgen entlang der Nordseeküste auf der A 183 nach Sunderland. Weiter auf der A 1018 und B 1287 nach Seaham. Dort pausierten wir bei schönem Wetter an der Nordseeküste mit Steilhang. Anschließend auf der A 182 den Berg hoch bis zur Auffahrt auf die A 19. Dort, kurz vor der Auffahrt über einen Fußweg runter auf die B 1432, weiter, bis diese auf die B 1283 trifft, die wieder Richtung Küste führt. Dort dann auf die A 1083 Richtung Hartlepool wechseln und nun immer weiter bis Hartlepool an der Nordseeküste. Man merke: Wenn die Radwege fehlen, siehe oben Einleitung, ist viel Pfadfinderphantasie gefragt, um voranzukommen. Nach einer Mittagspause im Zentrum Hartlepools weiter auf der A 178 Richtung Middlesborough. Wir fuhren dort durch eine Gegend namens Teeside, also am River Tee gelegen.

Sehr flach, teilweise Industriegebiet mit Raffinerien und an Land zerlegten, ehemaligen Bohrinseln, also nix Burgen und Romantik. Kann man aber auch mal gesehen haben. Kurz vor Middlesborough heißt es dann aufpassen. Man sieht schon aus der Ferne ein hohes, blaues Metallgestell, das aussieht wie ein riesiger Brückenkran und das ist es auch beinahe. Es handelt sich nämlich um die Schwebefähre über den River Tee. Also dem Wegweiser zur Fähre folgen und dann erlebt man eine Überfahrt der besonderen Art mit einem beeindruckenden Industriedenkmal, welches immer noch im täglichen Betrieb ist.

In Middlesborough hieß es dann wieder suchen und finden, nämlich die A 172 aus der Stadt raus Richtung Thirsk.

Dies gelang uns recht gut und so erreichten wir am Abend ein reizendes Örtchen namens Stokely, welches nur den Fehler hatte, kein B&B zu haben. In das örtliche Hotel für 60,00 GBP pro Person wollten wir nicht und so radelten wir der Dämmerung entgegen bis Great Broughton. Die Bezeichnung "Great" war absolut irreführend.

Es handelte sich um ein noch kleineres Dorf. Das einzige B&B im Ort war geschlossen und so blieb uns nix anderes übrig, als im besten Landhotel des Dorfes für 67,00 GBP zu übernachten. Das Hotel war allerdings dann auch sehr rustikal und edel und seinen Preis wert. Es war auch eine gute Idee nicht weiterzufahren. Der nächste Ort mit einem Hotel wäre erst nach einem Steilanstieg in die Hügel und weiteren rund 40 km gekommen.

                                                                                                                                                                                                               Schwebefähre Middlesborough

 

8. Tag:  Great Broughton - Selby 96 km

Am nächsten Morgen ging es bei schönstem Wetter auf der B 1257 hinauf in die Hügel des North York Moors National Parks. Am Straßenrand standen Schilder, die die Zahl der im Vorjahr tödlich verunglückten Motorradfahrer anzeigten, da die mittelgebirgigen und kurvenreichen Straßen auch in England beliebte Bikerziele sind. Immer wenn wir oben zu sein glaubten, ging es nach kurzen Abfahren erneut bergauf und der einzige Trost bestand darin, dass es der letzte hügelige Teil unserer Tour sein sollte. Am Ende der hügeligen Strecke kamen wir in Helmsley an, einem kleinen, romantischen Dorf mit vielen Touristen. Da wir weiter nach York wollten, sahen wir von einem Aufenthalt dort ab.


Nach Helmsley geht es weiter auf der B 1257. Auf der Strecke fuhren wir, nicht zum ersten Mal, durch die so typischen englischen Dörfer, die einen immer sofort an die Orte erinnern, in denen Inspector Barnaby ermittelt. Der Schauspieler, gemeint ist hier der frühere (Anmerkung aus 2016), hat übrigen im Original eine deutlich höhere Stimme, die nicht so gut zu seiner Statur passt wie die deutsche Sychron- stimme. 
In Oswaldkirk hieß es dann wieder aufpassen. Nun ging es nämlich weiter auf der B 1363.

Schließlich erreichten wir York und mussten leider feststellen, dass die Mitar- beiterin der dortigen Touristinformation nicht sonderlich behilflich war. Sie war nämlich nicht in der Lage, uns ein B&B im noch etwas entfernten Selby  zu buchen. Wir machte dann in der zwar schönen, aber von Touristen völlig überlaufenen Stadt noch etwas Sightseeing und schauten danach, dass wir weiterkamen.


                             
                             Midsomer ???


Aus York raus ging es auf der B 1222 bis Cawood. Dort weiter auf der B 1223 Richtung Selby. Auf der Strecke versuchten wir schon vor Selby, in dem einen oder anderen Dorf ein B&B zu finden, aber vergeblich. Entweder war alles belegt, oder es gab nur noch ein Zimmer. Auch in
Selby selbst war scheinbar nichts mehr frei. 
Ein verzweifelter Anruf mit dem Handy vor einem B&B mit dem Schild "no vacancy" führte dann dazu, dass sich die Tür eben dieses B&B öffnete und eine etwas korpulente aber reizende Landlady uns mitteilte, das Sie eine Absage erhalten habe und zwei Zimmer für je 45,00 GBP für uns hätte! Hipp Hipp Hurra!
Ihre kleine Tochter hat uns am nächsten Morgen beim Frühstück bedient, ganz stilecht im viktorianischen Bedienungskostüm. 
Das Frühstückszimmer war im Stil sehr englisch und liebevoll eingerichtet.
                                                                          
                                

                                                     
                                                                                                                
                                                                                                                                                                                                        
                                                                                                                                                                                                                             Wasserspeier Kathedrale York
 

Zu Abend gegessen haben wir dann in einem ausgezeichneten, italienischen Restaurant, welches einen englischen Koch und eine russische Bedienung hatte. Internationaler ging es kaum noch, wenn man uns als deutsche Touristen auch noch dazurechnete.

 

9. Tag:  Selby - Lincoln 100 km

Von Selby radelten wir entlang der A 1041 bis Camblesforth, weiter auf der A 645 nach Goole. Die Gegend ist ziemlich flach und daher oft auch windig, da der Wind ziemlich ungehindert von der Nordsee zur Irischen See und zurück bläst. Streckenweise konnten wir trotz ebener Strecke nur 10 - 12 km/h fahren. In Goole wechselten wir auf die A 161 und fuhren auf dieser Straße über Cowle bis zur Einmündung der A 161 in die A 631 in der Nähe von Gainsborough. Dort nach wenigen Kilometern auf die A 156 Richtung Lincoln abbiegen. Da die diese A-Road recht leer war, blieben wir auf dieser Straße. Es stellte sich heraus, dass das eine gute Idee war

 


England wird nämlich von zahlreichen Kanälen durchzogen,
die vor der Eisenbahn den Überland- und Ferntransport gewährleisteten. Heutzutage werde diese Kanäle mit viel Geld instand gehalten und von Freizeitkapitänen genutzt. 

Bei Torksey überquerten wir wieder einmal einen solchen Kanal. Unterhalb der Straßenbrücke befand sich eine Schleuse, deren Tore vom Schleusenwärter noch von Hand betrieben wurde. Ein Schild lud zu einem Cafe direkt an der Schleuse ein und so gab es Tee und Kuchen und wir beob- achteten interessiert den Schleusenbetrieb.



 

                      Schleuse in Torksey                                                                                                                                                                Lincoln, Fachwerkhaus

Einige Kilometer weiter mündete unsere A 156 in die A 57 Richtung Lincoln und kurz vor Lincoln gab es dann zu unserer Überraschung noch einen Radweg entlang des alten Kanals bis mitten in die Stadt. Nach einigem Herumfragen fanden wir dann auch ein gemütliches B&B  für 45,00 GBP pro Person.
Abends ging es dann in die Stadt zur dortigen Marina, an der ein elegantes Restaurantschiff festgemacht hatte. Dass Essen war sehr gut und der Preis ebenfalls "elegant". Beim anschließenden Stadtbummel, die Stadt ist sehenswert, trafen wir zunächst eine Damentruppe, alle in pinkfabenen Ballettkleidchen, die einen Junggesellinnenabschied feierten und trotz früher Abendstunde schon recht gut drauf waren. Beim Absacker in einem Pub sahen wir dann zu, wie bei einem Junggesellenabschied ein Bräutigam in spe unter den Tisch getrunken wurde, bzw. die lieben Freunde versuchten es. Armer Bräutigam! Mit dem Kopf dürfte er am nächsten Morgen kaum zur Tür des Standesamts hereingekommen sein. Vielleicht gehörten die beiden Gruppen sogar zur gleichen Hochzeit! Wer weiß?

 

10. Tag:  Lincoln - King´s Lynn 103 km

Weiter ging es am nächsten Morgen bei erstaunlich sonnigem Wetter raus aus der Stadt auf der B 1188 Richtung Sleaford. Leider gelang es uns bis einschließlich Sleaford nicht, eine neue, regionale Karte zu erwerben. Wir konnten daher an diesem Tag keine Nebenrouten planen und finden. Notgedrungen fuhr wir bis auf die letzten 10 km fast durchgehend auf der A 17 bis King´s Lynn. Da es sich um eine A-Road mit nur zweistelliger Nummer handelte, je weniger Stellen, je wichtiger und voller die Straße, war die Fahrt kein reines Vergnügen. Also nochmal: Unbedingt schon in Deutschland vernünftige Karten für die Tourenplanung besorgen!

 


Immerhin passierten wir etwa 20 km vor unserem Tagesziel noch eine wunderschöne, alte, eiserne Drehbrücke in bzw. die Sutton Bridge. Während wir noch die Brücke bewunderten, zeigte uns eine freundliche Engländerin dann, dass wir an dieser Stelle die A-Road verlassen und auf einem kleinem aber gemüt- lichen Umweg King´s Lynn ohne die A 17 erreichen konnten.
In der Stadt angekommen, suchten wir wieder einmal B&B, diesmal aber ohne Ergebnis. Wir haben dann in einem nicht allzu teueren Hotel, d.h. 49,00 GBP ohne Frühstück, übernach- tet.
Der abendliche Stadtbummel führte uns dann noch an die eine oder andere, hübsche Stelle des Ortes und der Absacker
im Pub mit Lager und meinen geliebten, englischen Crisps war natürlich obligatorisch.



                         Sutton Bridge                                                                                                                                                                         King´s Lynn Trinity Guild Hall

 

10. Tag:  King´s Lynn - Norwich 71 km

Am nächsten Morgen gelang es mir in der Stadt doch tatsächlich, eine Karte zu kaufen, die wieder die kleineren B-Roads zeigte. Der geneigte Leser wird schon gemerkt haben, dass der direkte Weg von Edinburgh nach London anders ginge. Grund für unseren "kleinen" Abstecher nach Norwich war mein langjähriger Freund David aus Schüler- austauschzeiten und dessen Familie. Unserer Freundschaft hat tatsächlich fast 40 Jahre gehalten und im Abstand
von 3 bis 10 Jahren gelingt es uns auch immer wieder, uns zu treffen, sei es bei ihm in England oder bei mir daheim in Deutschland.
Wir wurden von der Familie herzlich empfangen und am Abend ging es ab in die Broads, eine wasserreiche Gegend nicht weit von Norwich. An einem der Kanäle haben sich meine englischen Freunde ein "kleines" Wochendhaus hingestellt und von dort fuhren wir mit Davids Motorboot ins nächste Dorf zu einem Take Away Chinesen. Pragmatisch waren meine Freunde in Bezug auf Essen schon immer. Anschließend verbrachten wir einen gemütlichen Abend in besagtem Häuschen.

 

 

                                                                                                                                                                                                                                        Captain David and Günther

11. Tag:  Norwich - Bury St. Edmunds 76 km

Am nächsten Tag hatte uns der englische Sommer dann wieder voll erwischt. Wir starteten im Regencape, durchquerten Norwich und radelten ca. 4 km stadtauswärts auf der A 140 Richtung Diss. Von der A 140 zweigt die B 1113 ab. Der Regen war unser steter Begleiter, aber wenigstens war das Sträßchen schön ruhig. An die B 1113 schloss sich ein Landsträßchen an, das überhaupt keine Bezeichnung mehr hatte und wir meinten schon, wir hätten uns verfranzt. Unterwegs mussten wir uns in einem Pub beim Mittagsessen etwas trocknen und aufwärmen. Da es nach 14.00 Uhr war, gab es nichts Warmes mehr zu essen, nur Crisps (deutsch: Kartoffelchips). Günther war es aber gelungen, ein Ia Sahnetortenstück zu ergattern und für mich war dann auch noch ein Stück übrig. 

 

So gestärkt trafen wir dann nach einigen Kilometern tatsächlich zielsicher auf die B 1111, die bei Stanton in die nach Bury St. Edmunds und ziemlich befahrene A 143 mündet. 

In Bury St Edmunds hatten wir das Ahaerlebnis mit der vorzeitig geschlossenen Touristeninformation. Anhand der
im Fenster aushängenden Hotelliste telefonierten wir dann sämtliche B&B des Ortes ab, hatten aber kein Glück. So mussten wir dann in einem Best Western Hotel für 79,00 GBP ohne Frühstück übernachten. Am nächsten Morgen gab es dann halt ein Frühstück bei Mc Donalds und es war gar nicht so übel.
Anschließend erfolgte im Regencape noch eine Besichtigung der beeindruckenden Klosterruinen und der Kathedrale.




                   Humor ist, wenn man.....                                                                                                                                                         Kathedrale Bury St Edmunds

 

12. Tag:  Bury St. Edmunds - Cambridge 59 km

Wir verließen die Stadt auf der einigermaßen ruhigen A 1101 und fuhren bis Mildenhall. Schon nach wenigen Kilometern hatte der englische Wettergott tatsächlich ein Einsehen und ließ sogar nach und nach die Sonne scheinen! In Mildenhall bogen wir auf die B 1102 ab und radelten gemütlich durch die inzwischen recht flache Landschaft. Beeindruckend waren immer wieder die englischen Dorfkirchen und kleinen Friedhöfe, die ich kurz vor Cambridge dann doch ablichten musste.

 


Kurz vor Cambridge trafen wir doch tatsächlich auf einen Radweg (!!!), auf dem wir dann gemütlich entlang des Flusses Cam die Stadtmitte von Cambridge ereichten.
Am Flussufer liegen viele Hausboote und überhaupt ist Cambridge eine Stadt mit viel Charme und Historie.

Die Touristinformation vermittelte uns tatsächlich auch zwei Zimmer in einem B&B, das etwas Richtung Stadtrand, aber noch in der Stadt lag. Der Landlord entpuppte sich als ehemaliger Radsportbegeisterter, der sein Hobby nach einem Unfall allerdings aufgegeben hatte. Das B&B war mit 65,00 GBP relativ teuer, hatte aber zum ersten Mal deutschen Standard. Die Dusche war mit echten Fliesen gefliest und das Waschbecken hatte eine Mischarmatur, also keine getrennten Kalt- und Heißwasserhähne. So etwas hatten wir nicht einmal in den Hotels gehabt.

 

 

Nach der üblichen Dusche und Restauration ging es dann auf zum Sightseeing ins Stadtzentrum. Die alten Universitätsgebäude sind schwer beeindruckend und wir ließen es uns nicht nehmen, auf der Cam eine Runde Stocherkahn zu fahren. 

 




Es sieht einfacher aus als es ist, macht aber viel Spass und man kann insbesondere das Kings College wunderschön von der Wasserseite aus sehen.
Touristen und Studenten hat es in der Stadt ohne Ende, insbesondere, wie bei uns in Rothenburg, viele Japaner.

Es gelang uns aber in der Stadtmitte nicht, ein gemütliches, englisches Pub zu finden und so landeten wir, wieder mal, bei einem englischen Italiener.

 




                            Kings College                                                                                                                                                                            Stocherkahnfahrer

 

13. Tag:  London 0 km

Weil wir uns eine Fahrradtour durch die Vororte Londons nicht besonders reizvoll vorstellten, hatten wir beschlossen, mit dem Zug von Cambridge nach London zu fahren.
Man kann sich ein Kombiticket mit einem Tagespass für die Londoner Verkehrsbetriebe kaufen, meiner Meinung nach die komfortabelste Art, Großstädte zu besichtigen.

 

    

 

 

Am Vormittag besichtigen wir das RAF-Museum, in dem eine überwältigende Sammlung historischer Originalflugzeuge zu sehen ist und das und natürlich die Ruhmestaten der RAF zeigt.
Für Flugzeugfans ist das Museum aber ein absolutes Muss und der Eintritt ist frei.

 

 



                     Messerschmidt Me 109                                                   Boeing B 17 Flying Fortress


Auf diese Art überbrückten wir auch einen kleineren Regenschauer und der anschließende Bummel kreuz und quer durch London verlief bei schönstem Sonnenschein.
Ich kenne die Stadt von früheren Aufenthalten zwar recht gut, aber die Hauptstadt des ehemaligen britischen Empire ist immer wieder beeindruckend.
Touristen hatte es in der Stadt ohne Ende und so fielen auch wir nicht weiter auf. Auf dem Trafalgar Square steht neben der hinlänglich bekannten Nelson Column inzwischen auch ein überdimensionales Buddelschiff, welches das Flagschiff Nelsons, die HMS Victory darstellt und von einem japanischen Künstler geschaffen wurde.


 

Wir gönnten uns dann noch zur Teatime Tea and Cake und bestiegen am Abend dann ziemlich geschafft unseren Zug zurück nach Cambridge.

In der Nähe unseres B&B stand dann noch das obligatorische Abendbier mit Crisps auf dem Programm.

 

 

 



                             London Eye                                                                                                                                                                                  HMS Victory

 

14. Tag:  Cambridge - Bishop´s Stortford 49 km

Am vorletzten Tag unserer Radtour war nochmal englisches Wetter angesagt, d.h. wir starteten im Regencape und zogen dieses auch erst kurz vor dem Zielort wieder aus.  
Damit hatte sich dann auch unsere kurzzeitig mal ins Auge gefasste Idee erledigt, aus Freude an der Radlerei bis zu den White Cliffs of Dover zu radeln. 

Zur Strecke: Zunächst auf der A 1309 raus aus Cambridge und die M 11 überquert. Ca. 2 Kilometer weiter biegt dann links die B 1368 ab und abgesehen vom Regen war es ein gemütliches Fahren durch eine minimal hügelige Landschaft. Die B 1368 mündet am Ende in die A 10, die man glücklicherweise sehr bald nach links über die A 120 Richtung Bishop´s Stortford verlassen konnte. Kurz vor dem Zielort hatte ich Günther hinter mir verloren. Das Schlimmste befürchtend kehrte ich um. 


Es war dann aber "nur" Günthers dritter Platter, der ihn wieder zur Demontage des Rades und den üblichen Arbeiten zwang. Da die Strecke nicht so lang gewesen war, erreichten wir schon gegen 15.45 Uhr die Touristinformation in Bishop´s Stortford und hatten dann mal wieder ein Serviceerlebnis der besonderen Art, siehe oben Einleitung. Dank der Hilfe eines anderen, deutlich freund- licheren Einheimischen fanden wir aber nicht nur eine preiswerte, allerdings ziemlich primitive Unterkunft für 40,00 GBP in einem Pub sondern auch einen Fahrradladen, in dem Günther sich seinen Karton für den Heimflug besorgte und zum Pub brachte. 

Nach den üblichen Restaurationsarbeiten an unserer Person bummelten wir dann noch durch den nicht allzu reizvollen Ort, suchten zum letzten Mal ein typisch englisches Pub zum Abendessen und landeten mangels Ergebnis bei einem Chinesen!
Das obligatorische Abendbierchen mit Crisps verbrachten wir in unserm Pub, in dem zufälliger Weise ein Folkabend stattfand. 
Da sich jedes Lied des hoffnungsvollen Nachwuchssängers aber gleich anhörte, gingen wir ziemlich bald zu Bett.

 

 

 

 




              noch ein Pubschild

 

15. Tag:  Bishop´s Stortford - Flughafen Stansted 10 km 

Am nächsten Tag trennten sich unsere Wege vorübergehend. Günther trug sein verpacktes Fahrrad zum Flughafenbus. Der Busbahnhof befand sich praktischer Weise direkt neben unserem Pub. Ich selbst schwang mich nochmal aufs Rad und fuhr zum Flughafen. Dort stellte ich mein treues aber doch schon sehr altes Rad ab und inzwischen dürfte es einen neuen Eigentümer gefunden haben. Ich sparte mir so die 40,00 GBP für den Rücktransport. 
Mehr als 50,00 € hätte ich hier auf dem Fahrradflohmarkt auch nicht mehr bekommen.

Der Rückflug nach Memmingen verlief reibungslos. Nur das Wetter in Memmingen überraschte uns. 
Die Daheimgebliebenen hatten uns etwas von einer Hitzewelle in Deutschland mit 35 C erzählt, aber als wir landeten, empfingen uns 16 C und bewölkter Himmel. Wir hatten doch tatsächlich ein Souvenir aus England nach Hause gebracht. Als Entschädigung ließen wir es uns in der Blauen Traube in der Stadtmitte Memmingens richtig bayerisch und gut schmecken.

Tja, und das war sie dann, meine bzw. diesmal unsere Sommerradtour 2011. Günther danke ich bei dieser Gelegenheit noch für seine stoische Ruhe, wenn mir mal wieder der Kragen platzte, weil sich die Zimmersuche schwieriger gestaltete, als geplant. Es war schön ihn dabei zu haben.
 

Wer mir etwas zu dieser Seite schreiben will, kann gerne eine Email senden.
 

Weitere Radtourenberichte auf: Meine Radtouren
                                                               

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